Oberhessische Presse

Scharfe Gewürze geben dem Mahl den richtigen PepAmöneburg. Während des Indientages an der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg kochten Schüler mit einem indischen Psychologie-Professor ein pikantes Gericht für 60 Personen.

von Tobias Hirsch

Ein ungewöhnlicher und zugleich angenehmer Kochgeruch zog durch das Rhabanushaus der Stiftsschule. Die Quelle lies sich leicht lokalisieren. Von der Schulküche im Erdgeschoss kam der Geruch nach offenkundig wohlschmeckenden Speisen.

Noch ungewöhnlicher als der angenehme Geruch offenbarte sich den Schaulustigen das Kochteam hinter den Herdplatten. Mit auffälligen Kleidern, pechschwarzen Haaren und den für indische Frauen typischen Bindi, dem roten Punkt oder Schmuckstein zwischen den Augenbrauen, kochte eine indische Familie für rund 60 Stiftsschüler.

Narayan Pati, Psychologie-Professor aus Indien, dessen Ehefrau sowie dessen Tochter Ranjita Pati und der Schwiegersohn Soumya Kar, die beide an der Philipps-Universität in Marburg Medizin studieren, bedankten sich mit dem Essen für eine Spende der Stiftsschüler.

Im Januar beschäftigten sich Schüler der Klasse 8d und 9c mit ihrem Erdkunde- und Politiklehrer Armin Hedwig während eines Projekttages mit dem indischen Subkontinent.

Während dieses Projekttages beteiligten sich die Schüler auch an einer Spendenaktion und sammelten 250 Euro für ein indisches Heim für geistig behinderte Kinder.

Das „Jewels International – Chentana Institute fort the Mentally Handicapped (CIMP)“ beherbergt 170 Kinder und befindet sich 500 Kilometer südlich von Kalkutta.

Dort sind die sozialen Probleme der Bevölkerung besonders groß, denn nicht weniger als 48 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze“, erläuterte Hedwig.

Sozusagen als Zwischenstopp einer Vortragsreise durch Österreich und Deutschland besuchte Narayan Pati, Gründer dieses Heims, die Stiftsschüler, um sich mit einem selbst zubereiteten Essen für ihr Engagement zu bedanken. Gemeinsam mit einigen Stiftsschülern bereitete die Familie Pati das Gericht aus angebratenen Tomaten, Karotten, Bohnen, Pilzen, Zimt, Kümmel, Ingwer und Reis zu.

Der indischen Kochkultur entsprechend wurde mit scharfen Gewürzen nicht zaghaft umgegangen, was während des gemeinsamen Essens ein Nachfüllen der schnell geleerten Wassergläser zur Folge hatte.

Nach dem Essen beschrieb Narayan Pati den Schülern die Situation und den Alltag der Heimbewohner und äußerte die Bitte, die Kinder dort weiterhin zu unterstützen.

Beratung und Unterstützung erhält dieses Heim auch von der Lebenshilfe in Marburg. Zusätzlich haben sich im vergangenen Jahr in Marburg und Kassel Freundeskreise gegründet, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Heim in Bhubaneswar finanziell zu unterstützen.